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Neue Auflage des Klassikers „Werkstattbuch Mediation“


Prof. Dr. Roland Fritz M.A. - 18. Mai 2026

Anders noch als vor Erscheinen der 2. Auflage dieses Werkes im Jahre 2019 (siehe die Rezension dieser Auflage hier), als man das bewährte und von Hannelore Diez fünfzehn Jahre zuvor begründete „Werkstattbuch Mediation“ im Handel nicht mehr erwerben konnte, sind nunmehr zwischen 2. und 3. Auflage lediglich sieben Jahre vergangen – gleichwohl eine lange Zeit, in der sich nicht nur die gesetzliche Rahmenbedingungen der konsensualen Konfliktbeilegung z. T. verändert haben, sondern auch im Bereich von Methoden und Techniken neue Entwicklungen festzustellen sind. Der Autor Heiner Krabbe – der als Leiter der Mediationswerkstatt Münster und durch seine umfangreichen Veröffentlichungen wie auch seine jahrzehntelange Ausbildungs- und Trainertätigkeit aus der deutschsprachigen Mediatorenszene nicht wegzudenken ist – und die Autorin Dr. Engler – ebenfalls bekannt durch ihre Tätigkeit für die Centrale für Mediation und die Zeitschrift ZKM – haben nicht nur diese Veränderungen aufgegriffen und in die nunmehr vorliegenden 3. Auflage eingearbeitet, sondern auch etliche andere Teile des Werkes überarbeitet und ergänzt. Doch der Reihe nach.

Zunächst zeichnet sich, wie bereits in den Vorauflagen, das Werkstattbuch durch seine klare und noch einmal verbesserte gut nachvollziehbare Struktur (Teile, Kapitel und Unterpunkte), seine verständliche Sprache und die beispielhaft dargestellte Mediation eines Erbschaftsfalles („Erb-Mediation Schaller“) aus, die als roter Faden das gesamte Werk durchzieht.

Teil A. („Exemplarischer Fall einer Erb-Mediation“) enthält dementsprechend in seinem I. Kapitel die Sachverhaltsschilderung der Erb-Mediation und im II. Kapitel dann deren konkreter Prozessablauf, beginnend mit der „Vorlaufphase“ bis hin zu „Verhandeln und Vereinbaren“. Für all diejenigen, die am Beginn einer Mediatorentätigkeit stehen, gut nachvollziehbar und einleuchtend dargestellt.

Teil B. ist mit „Werkzeugkoffer“ überschrieben und vermittelt in seinen acht Kapiteln das nötige und unabdingbare Wissen, um eine Mediation konflikt- und personenangemessen als Mediator/Mediatorin organisieren und durchführen zu können. Neben den ausführlich beschriebenen „Prozessbausteinen“ sind hier insbesondere die „Methodischen Bausteine“ (u.a. Window I, Window II, Hypothesenbildung etc.) und die „Technischen Bausteine“ (u.a. Fragetechniken, Zusammenfassen, Partialisieren, Paraphrasieren etc.) zu nennen, aber auch – als eigenes Kapitel neu hinzugekommen – die „Mediationsanaloge Supervision“ und im Kontext der „Verschiedenen Settings“ die immer mehr an Bedeutung gewinnende „Online Mediation“. Nicht unerwähnt bleiben darf das Kapitel VIII., das mit „Besondere Herausforderungen“ überschrieben ist: Insbesondere im Umgang mit „Emotionen“ wie auch mit „Hocheskalierten Parteien“ profitiert der Leser in besonderem Maße von Wissen und Erfahrung des Autors Heiner Krabbe, im Herkunftsberuf Dipl. Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut. Was den Teil B. zudem auszeichnet, ist der Umstand, dass fast durchgängig den jeweiligen Kapiteln Übungen zur Selbstüberprüfung vorangestellt sind und am Ende dann wertvolle Praxisanregungen gegeben werden, wie die zuvor beschriebenen Tools am besten zu handhaben sind.

Teil C., „Mediation in der Praxis“ überschrieben, befasst sich im I. Kapitel u.a. mit den wichtigen Fragen von „Aus- und Fortbildung“ sowie von „Marketing und Akquise“ und enthält im II. Kapitel zahlreiche weiterführende Praxismuster, die nicht nur Berufsanfängern zugutekommen, sondern als wertvolle Anregungen auch immer wieder von erfahrenen

Mediatoren/Mediatorinnen genutzt werden können. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn es – da nicht in Teil B. behandelt – zumindest in diesem Teil Ausführungen zu Künstlicher Intelligenz und deren Anwendung in Vorbereitung und Durchführung einer Mediation gegeben hätte. Denn ganz offensichtlich spielt KI, wie nationale (vgl. hier) als auch internationale Veranstaltungen (vgl. bspw. hier) sowie aktuelle Veröffentlichungen (vgl. hier) belegen, auch im Bereich der Mediation eine immer stärker werdende Rolle. Ob Autor und Autorin in Anbetracht der Skepsis, die der KI entgegengebracht wird, bewusst auf Ausführungen hierzu verzichtet haben oder ob sie von deren raschen Entwicklung möglicherweise überrascht wurden, bleibt offen.

Der „Anhang“ im Teil D. beinhaltet neben einem Abdruck der gesetzlichen Rahmenbedingungen MediationsG und ZMediatAusbV auch ein knappes, gleichwohl ausreichendes Literaturverzeichnis und ein Glossar, in dem sich die wichtigsten Fachbegriffe wiederfinden. Abgeschlossen wird das Werkstattbuch sodann durch ein klar aufgebautes Stichwortverzeichnis, das den Zugriff auf die einzelnen Inhalte erleichtert.

Auch in seiner 3. Auflage ist das aktualisiere und erweiterte „Werkstattbuch Mediation“ mit den bereits erwähnten zahlreichen Übungen und den wertvollen Praxisanregungen weiterhin ein „must have“ für alle, die in der Ausbildung stehen und ein umfangreiches und gut lesbares Anleitungsbuch benötigen, zugleich aber auch für diejenigen, die bereits als Mediator/Mediatorin tätig sind und ein solides Nachschlagewerk zu schätzen wissen.

Und all dies auf 344 Seiten für nur 49,80 Euro – da findet sich so schnell nichts Vergleichbares! Erschienen ist das Werk im Dr. Otto Schmidt Verlag, ISBN 978-3-504-06267-5

Prof. Dr. Roland Fritz M.A.
Prof. Dr. Roland Fritz M.A.
Zertifizierter Mediator, WirtschaftsMediator, Supervisor
Rechtsanwalt


Der Autor Prof. Dr. Roland Fritz verfügt über eine lange juristische Karriere. Er war als Richter tätig, arbeitete einige Jahre beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, wurde Präsident des Verwaltungsgerichts Gießen, später Präsident des Verwaltungsgerichts in Frankfurt/Main und ist seit 2002 ebenfalls Honorarprofessor an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Seit 2013 ist er als Rechtsanwalt zugelassen. Roland Fritz ist Absolvent des Master-Studiengangs Mediation an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Er war seit 2006 als gerichtlicher Mediator in der hessischen Verwaltungsgerichtsbarkeit aktiv und ist nun als freiberuflicher Mediator, Supervisor und Trainer für Richter, Rechtsanwälte sowie Studenten tätig.

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